Beitrag von F. Behrens vom 21.02.13

Es ist einfach lächerlich, wie sich die Gemeinde gegen den UNESCO – Antrag wehrt. Es werden Aussagen gemacht, die der Faktenlage widersprechen.
Vor allem wird immer der Ort Rottleberode genannt und nie die Gemeinde Südharz als Ganzes oder die Region Südharz mit den anderen Orten. Ein
Ort fühlt sich eingeschränkt, aber achtzehn bilden die Einheitsgemeinde. Das Industriegebiet in Rottleberode ist kein Hinderungsgrund für den UNESCO – Antrag, doch die ablehnende Haltung benachteiligt die anderen Ortschaften der Gemeinde. Es sollten alle Aspekte beachtet werden. Durch das Biosphärenreservat wird der Tourismus gefördert und viele Arbeitsplätze entstehen z.B. im Bereich der Gastronomie, Hotelwirtschaft, Pensionen, Ferienhäuser, Kultureinrichtungen und der Einzelhandel.

Ich war am 13.02. dabei, F. Behrens, Hayn

Auch als Leserbrief in der Mitteldeutschen Zeitung am 19.02.2013 veröffentlicht.

Am 19.02.13 schrieb Lutz Mammel von der Öko-Erzeugergemeinschaft „Alb-Leisa“

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bitte Sie unser Unternehmen in die Liste Ihrer Bündnispartner aufzunehmen. Durch gute Freunde, die im Biosphärenreservat Südharz leben, kenne ich dieses durch viele persönliche Besuche. Nun stelle ich mit erschrecken fest, dass die großartige Chance für die Region vielleicht schon wieder begraben wird, bevor sie richtig anfängt an den Start zu kommen.

Wir sind ein Verarbeitungsunternehmen für landwirtschaftliche Produkte. Unser Hauptgeschäft sind Speiselinsen aus konsequent regionalem und ökologischem Anbau. Dadurch, dass unsere Gemeinde im Jahr 2008 Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb wurde, eröffneten sich für unser Unternehmen wertvolle (vor allem in finanzieller und marketing-technischer Hinsicht) neue Entwicklungsmöglichkeiten. Wir konnten unseren Maschinenpark mit Förderprogramm-Mitteln viel schneller erweitern und dadurch die Anzahl der zuliefernden Landwirte von 21 (2008) auf 70 (2013) erweitern. Diese 70 Biolandwirte bauen inzwischen auf ca. 250 Hektar Fläche Linsen an, welche wir zentral erfassen, reinigen und vermarkten. Unser Untenehmen (Marke „Alb-Leisa“) beliefert ca. 500 Einzelhändler und 180 Gaststätten in Baden-Württemberg und Bayern.

2008 bot das kleine Unternehmen  noch 2 Leuten Arbeit, heute sind wir 4 Vollzeit-AK und 4 Teilzeitkräfte (hautsächlich Verpackung und Versand).

Ein Biosphärenresevat ist wirtschaftsfreundlich. Das bezieht sich vor allem auf eine Wirtschaft, die sich auf Nachhaltigkeit und regionale Produkte ausrichtet. Inzwischen sehen das in unserem Biosphärengebiet nicht nur die Unternehmen im Landwirtschafts/Nahrungsmittelbereich, auch Handwerk und Industrie möchte an dem guten Image des Biosphärengebietes teilhaben.

Wir drücken dem Biosphärenreservat Südharz die Daumen für eine erfolgreiche, nachhaltige Zukunft!

Ihr

Lutz Mammel

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Mit freundlichen Grüßen aus Lauterach

(im Biosphärengebiet Schwäbische Alb)

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Öko-Erzeugergemeinschaft „Alb-Leisa“

Lutz Mammel

(Geschäftsführer)

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E-mail: lutz.mammel@alb-leisa.de

www.alb-leisa.de

Am 19.02.13 schrieb Silvana Dirnberger an pro.biores.suedharz@gmail.com

Dem Ziel so nah und doch so fern

Mit der Zustimmung des Umweltministers für die Erweiterung der Flächen für die holzverarbeitende Industrie wird der Gemeinde Südharz erst mal der Wind aus den Segeln genommen, vehement sich gegen die Anerkennung des Biosphärenreservats als UNESCO- Weltnaturerbe zu wehren. Und schon gehen die privaten Waldbesitzer zum Angriff über. Diese viele Dynamik wäre auch schön, wenn es um ein gemeinsames harmonisches Miteinander im Südharz gehen soll.

Private Waldbesitzer, wie „Von“ und „Zu“ müssen um ihre Existenz bangen, laut ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem Biosphärenreservat. Warum eigentlich? Das Monopol der privaten Waldbesitzer im Südharz lässt jegliche Konkurrenz aus benachbarten Wäldern nur schwer auf das heimische Schlachtfeld – Holzverarbeitung. Wer sind sie eigentlich? Diese „Neusüdharzer“ führen ein Schattendasein, abhängig vom Rockzipfel der holzverarbeitenden Industrie und propagieren in der Politik lauthals ihre Interessen. Der kleine Harz hat auch nur begrenzte Vorräte an Holz. Schon jetzt wird zunehmend das Holz aus Osteuropa angekarrt.  Auch ein privater Waldbesitzer im Zeitalter der „Nachhaltigen Waldbewirtschaftung“ sollte sich bewusst sein, dass das gnadenlose Ausschlachten unserer heimischen Wälder auch seine lukrative Einnahmequelle auf Dauer schrumpfen lässt. Als Neuankömmlinge können sie wohl kaum mit der Historie des Südharzes verwurzelt sein, um dem allgemeinen Wohl dienen zu können. Dabei müsste ihnen der Sachverhalt geläufig sein, dass sich die Flächen der Kernzone (lediglich 3 % = 900 ha) in Landeswald befinden. Es gibt nur eine Ausnahme bei Wickerode: hierbei handelt es sich um ein seit den 1960er Jahren im Naturschutzgebiet „Questenberg“ ausgewiesenes Totalreservat von 11 ha, der sogenannte „Uhu-Felsen“.

Was sind denn 2,2 Mio Euro (Die Richtigkeit dieser Zahl wird angezweifelt!) für den Verkauf von totem Holz, die in Zeiten der Auswirkungen der Finanzkrise so schnell verpuffen. Dem Umweltminister noch ein schlechtes Gewissen einreden wollen. Ist die Bevölkerung im Südharz und sein ungenutztes Potential nicht viel mehr wert? Der Südharz könnte doch nachhaltiger wirtschaften, wenn zahlreiche Besucher sich an den lebenden Geschöpfen in der Natur erfreuen. Auf Dauer würden sie, durch ihr Verweilen, einer breiten Bevölkerung in der Region und darüber hinaus eine lukrative Einnahmequelle bieten. Neueste Auswertungen zur Entwicklung des Tourismus im LSA sagen aus, dass unser Bundesland als Urlaubsziel immer beliebter wird, und noch genügend ungenutztes Potential brach liegt. Fördermittel sind abrufbar. Der Harz ist insgesamt in seiner Vermarktung nach Außen durch zahlreiche Internetportale sehr gut aufgestellt. Nun wäre es an der Zeit das innere Netzwerk in der Region Südharz zu knüpfen. Wo ist ein Gesamtkonzept um ungenutzte touristische Potentiale im Südharz zum Leben zu erwecken? Eine Potentialanalyse für Holz gibt es schon. Wo ist die Potentialanalyse für die Entwicklung des Tourismus? Schließlich ist der überwiegende Teil der Gemeinde Südharz als Vorbehaltsgebiet für Tourismus und Erholung ausgewiesen.

Nur die Heimkehle bekommt vielleicht Fördermittel für ihre touristische Weiterentwicklung. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Schade, es hätte die ganze Region verdient. Stattdessen gibt es wieder einmal einen Freibrief dafür, wertvolle Natur- und Kulturlandschaft zu vernichten. Konkret ausgedrückt, bedeutet das, Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet zu nehmen. Man ist sich bewusst, dass mögliche umweltschädigende Auswirkungen das vorhandene Trinkwasserschutzgebiet zwischen Uftrungen und Rottleberode beeinträchtigen können. Na schön, wozu werden dann noch fachplanerische Umweltgutachten gebraucht, wenn hier aus dem Bauchgefühl heraus entschieden wurde. Nach dem Motto: „Wird schon klappen, wenn nicht sind wir wieder ein Stückchen schlauer geworden.“

Da stellt sich nur die Frage: „Wo bleibt da die Nachhaltigkeit“

Silvana Dirnberger

Auch als Leserbrief in der Mitteldeutschen Zeitung am 19.02.2013 veröffentlicht.

Am 18.02.13 schrieb Roland Tischbier von der Stiftung Pro Artenvielfalt

„Als anerkannte Stiftung bürgerlichen Rechts sind wir satzungsgemäß dem Schutz bedrohter Tierarten und deren Lebensräumen verpflichtet. Die Karstlandschaft im Südharz ist ein herausragender und einmaliger Natur-Lebensraum in Deutschland, der eine Vielzahl von „Rote Liste Deutschland“ – und „Rote Liste Sachsen-Anhalt“ – Lebensraumtypen (Biotop-Typen) aufweist. Entsprechend groß ist hier noch die Vielfalt an Arten in Flora und Fauna, die andernorts längst verschwunden sind und sich auf den Roten Listen Deutschland, den Sterbelisten der Artenvielfalt, wiederfinden. Diese landschaftlichen Kleinode und die Vielfalt an Arten um ihrer selbst willen und für kommende Menschengenerationen zu erhalten, ist höchstes politisches Gebot!

Der Schutz dieser Lebensräume und ihrer kostbaren Artenvielfalt ist von zukunftsweisender gesellschaftlicher Bedeutung und stellt zugleich eine Generationenverpflichtung dar, die nicht einseitigen, primär ökonomisch ausgerichteten Regionalinteressen geopfert werden darf.

Unsere Stiftung ist daher bereit, als Bündnispartner die Schutzziele des „Biosphärenreservats Karstlandschaft Südharz“ in vollem Umfang zu unterstützen.“

Mit freundlichem Gruß,
Roland Tischbier
Vorstandsvorsitzender

Stiftung Pro Artenvielfalt® (SPA)
(Foundation Pro Biodiversity)

eMail team@stiftung-pro-artenvielfalt.org
Internet www.stiftung-pro-artenvielfalt.org

Am 18.02.13 schrieb D. Buchert an pro.biores.suedharz@gmail.com

Kommentar zur Veranstaltung am 13.02.2013 in Roßla

Ich war dabei, bei der Versammlung im Bürgerhaus in Roßla und ich war geschockt, als ich einen VW-Bus mit einem mannshohen gelben Plakat mit knalligem Anti-Biosphärenreservat-Slogan und dem markigen, in altdeutsche Lettern gesetzten Spruch „Klagt nicht, kämpft!“ gelesen und fotografiert habe. Die ewig Gestrigen, sie gibt es noch oder wieder? Wo bleibt der Staatsschutz? War das der Anspruch der Veranstaltung? Soll das der Geist der Bürger der Gemeinde Südharz sein? Mitnichten! Sind das die Sympathisanten, die hetzen und die Stimmung vergiften?

Sehr gut und überzeugend waren die drei eindringlichen Plädoyers von André Schröder (CDU), Dr. Hermann Onko Aeikens (Minister für Landwirtschaft und Umwelt, CDU) und Nadine Hampel (SPD) für das Biosphärenreservat, für die UNESCO-Anerkennung!

Als die Diskussion freigegeben wurde, verbreitete wie auf Knopfdruck laut tösend und kaum bremsend Herr Franz Prinz zu Salm-Salm seine Antithesen im Raum.

Der „Prinz“ verglich die möglichen negativen wirtschaftlichen Folgen für die Region Südharz bei einer Anerkennung zum UNESCO-Biosphärenreservat mit denen von Stuttgart 21, dem Nürburgring oder dem Berliner Großflughafen, welches lautes Gelächter, Zwischenrufe und Kopfschütteln erzeugte. Eigentlich hätte man etwas Niveauvolleres von einem Vorsitzenden des Waldbesitzerverbandes erwarten sollen, doch es zählt nun mal nur jeder Baum der umgesägt wurde und nicht die Verpflichtung nach dem Bundes- und Landeswaldgesetz, dass der Wald eine Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion hat. Das hat der „Prinz“ wohl vergessen?

Ach so, der Minister Dr. Aeikens hatte den „Prinzen“ vorgeschlagen in seine Aufzählung von verschwendeten Steuermillionen doch auch noch die „Hamburger Elbphilharmonie“ zu erwähnen. Nachprüfbare Sachinformationen und weniger Polemik vom „Prinzen“ wären hilfreicher gewesen, wollte das der Bürgermeister so hören?

Übrigens, seit 2009 existiert das Biosphärenreservat nach Landesrecht, es ist demnach schon da. Es hat nur noch nicht das UNESCO-Prädikat. Gab es bislang Einschränkungen für die Forstwirtschaft? Die Frage konnte keiner beantworten, denn es gab keine! Und es gibt auch künftig keine! Dafür ist keine Rechtsgrundlage vorhanden!

Am 14.02.13 schrieb eine Bürgerin der Gemeinde Südharz an pro.biores.suedharz@gmail.com

Kommentar zur Veranstaltung am 13.02.2013 in Roßla

Bedanken möchte ich mich beim Minister Dr. Aeikens für seine Geduld mit dem Südharz, bedanken möchte ich mich auch bei Herrn Schröder und Frau Hampel, die zu der Veranstaltung am 13.02.2013 eingeladen haben. Bedanken möchte ich mich auch bei Herrn Rettig, der deutlich gemacht hat, worum es eigentlich geht:

  • Es geht nicht darum, ob es im Südharz ein Biosphärenreservat mit oder ohne UNESCO-Anerkennung gibt.
  • Es geht darum, dass die Wirtschaft, und dabei insbesondere die Waldwirtschaft, eine Garantie haben will, in Zukunft durch Naturschutz-Auflagen nicht eingeschränkt zu werden.

Und das ist insofern entsetzlich, da die Wünsche einer Region untergehen in einer Diskussion, in der es nicht mehr um ein Biosphärenreservat geht, sondern Vorteile für die Wirtschaft vertraglich gesichert werden sollen.

Am 26.02.2013 soll die Wirtschaft nochmals angehört werden. Spannend wird, wer zur Wirtschaft gehört. Wann werden die Naturschützer angehört? Wann die Einwohner?

Am 14.02.13 schrieb Herr K. an pro.biores.suedharz@gmail.com

Wieviel Rettig verträgt eine Region?

Oder:

Was muss passieren, damit der Gemeinderat der Gemeinde Südharz seiner Verantwortung nachkommt, der Mehrheit der Bevölkerung folgend, für die Anerkennung des Biosphärenreservats Karstlandschaft Südharz stimmt?

Der Bürgermeister vertritt nicht die Bürger der Gemeinde, so auch nicht mich. Er vertritt, so wie am 13.02.2013 bei dem Informationsgespräch mit dem CDU-Abgeordneten Schröder von ihm selbst gesagt, die Holzindustrie, die privaten Waldbewirtschafter. Der Bürgermeister polarisiert Wirtschaft gegen Biosphärenreservat! Er ist nicht der Mensch, welcher sich mit Sachverstand  mit einem Biosphärenreservat mit UNESCO-Label ernsthaft auseinandersetzt.

Ein Jurist soll nun alles richten. Was dabei herauskommt, haben wir heute von diesem hören können, vertrackte Formulierungen, fern ab der Realität, einen „Persilschein“ organisierend für alle Planungen und Eingriffe in der Gemeinde Rottleberode! Ist das alles noch normal? Dass sich der Umweltminister damit schwer tut, ist nicht verwunderlich, denn wer will etwas verantworten was nicht überschaubar ist? Herr Dr. Aeikens soll Herrn R bescheinigen, dass die „Sonne“ immer über Rottleberode scheinen soll. Gibt es nicht auch noch andere Gemeinden in der Region Südharz wo die Sonne scheinen kann?

Herr Dr. Aeikens, Sie haben ihren Job heute sehr gut gemacht, Sie haben mein Vertrauen, Sie waren überzeugend! Vielen Dank, auch von den Bürgern, die das ähnlich empfunden haben.

K. aus dem Südharz

Am 13.02.13 schrieb H. Hirsch an pro.biores.suedharz@gmail.com

Mehr als beachtlich!!!

Andre Schröder, CDU-Landtagsabgeordneter, hatte zu einer öffentlichen Veranstaltung zur UNESCO-Anerkennung des Biosphärenreservates Karstlandschaft Südharz am 13.02.2013 nach Roßla ins Bürgerhaus eingeladen. Mit überzeugenden Argumenten hatten Herr Schröder, Herr Dr. Aeikens, Umweltminister und Frau Hampel, SPD-Landtagsabgeordnete die anwesenden Bürger über den Stand und die Perspektiven des Biosphärenreservates informiert. Einhellig wurde dafür geworben, dass der Gemeinderat der Gemeinde Südharz seine Stimme für den Antrag im UNESCO-Anerkennungsverfahren abgeben sollte. In einer selten betonten Deutlichkeit und Einigkeit wurde für die Region Südharz geworben, für seine Entwicklungsmöglichkeiten und Chancen in einem UNESCO-Biosphärenreservat, für die hier lebenden Menschen. Herr Dr. Aeikens hat beharrlich einen Vertragsentwurf mit der Gemeinde Südharz verteidigt, welcher verantwortungsvoll die Belange der Gemeinde Südharz im Rahmen der rechtsstaatlichen Möglichkeiten berücksichtigt, ohne dass hierbei das Land Sachsen-Anhalt Verpflichtungen eingeht, die es nicht erfüllen kann.

Vom Bürgermeister der Gemeinde Südharz, Herr Rettig, wurden wie zu erwarten war Argumente vorgetragen, welche sich auf Behauptungen gründen und nicht nachvollziehbar sind. Die Gemeinde erwartet wirtschaftliche Einbußen und sieht insbesondere die Belange der Holzindustrie betroffen.

Zu bemerken ist: Das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz besteht seit 2009 nach Landesrecht. Es hat keine Verordnung, dafür eine Allgemeinverfügung. Aus dem Auditorium war nicht zu erfahren, dass seit 2009 auch nur ein Wirtschaftsunternehmen einen wirtschaftlichen Nachteil erfahren hätte. Was spricht also gegen eine Anerkennung bei der UNESCO?

H. Hirsch, freier Redakteur