12.12.2014 – Mitteldeutsche Zeitung

Vogelschutzgebiet – Kranich-Ranger für Kelbra

Kraniche am Himmel (BILD: MZ/ARCHIV)

VON HEINZ NOACK | 12.12.2014 10:33 Uhr 
Vogelschützer sehen die wachsenden Besucherzahlen am Stausee mit Sorge. Die Gästeströme sollen deshalb künftig besser gelenkt werden.

KELBRA. Rund 40 000 Kraniche rasteten in diesem Herbst wieder im Vogelschutzgebiet „Helmestausee Berga-Kelbra“. „Damit ist die Aufnahmefähigkeit des Gebietes erreicht“, zog Joachim Scheuer, Vorsitzender des Vereins Nordhäuser Ornithologen, ein erstes Resümee. „Die Vögel stehen dann auf den Schlafplätzen bereits sehr eng.“ Scheuer hatte mit weiteren Vereinsmitgliedern die abendlichen Zählungen vorgenommen. Deren konkrete Auswertung steht aber noch aus.

Reiche Vogelwelt am Stausee

Jährlich rasten im Vogelschutzgebiet Helmestausee Berga-Kelbra bis zu 40 000 Kraniche. Sie kommen aus dem nordrussischen und baltischen Gebieten, um auf ihrem Weiterflug in den Süden Europas bzw. nach Nordafrika eine Pause einzulegen. Die Tiere erholen sich kurzzeitig und sind auf Futter angewiesen.

In Thüringen wird ihnen eine Ablenkfütterung auf vorbereiteten Flächen angeboten. In Sachsen-Anhalt erfolgt das nicht.

Der Helmestausee Berga-Kelbra ist aber auch ohne Kraniche ein ornithologisch sehr reich ausgestattetes Gebiet. 124 Brutvogelarten haben die Nordhäuser Ornithologen hier festgestellt. Zu den Vögeln, die vermehrt rasten gehören mittlerweile auch die Silberreiher.

Die Besucher haben die Möglichkeit von Vogelbeobachtungstürmen zum Beispiel am Hauptdamm und am Zeltplatz bzw. an der Numburg die Vögel zu beobachten.

Mit gemischten Gefühlen sehen die Vogelschützer die wachsenden Besucherzahlen. „Das Interesse in der Bevölkerung ist sehr groß“, freut sich der Ornithologe. „Die Besucher kommen aus vielen Regionen der gesamten Bundesrepublik, inzwischen sogar aus Holland nach Kelbra.“ „Der abendliche Einflug ist ein beeindruckendes Naturschauspiel“, fügte Helga Bauersfeld, Vorsitzende des Fördervereins Numburg, hinzu. „Damit es so bleibt, müssen allerdings weitere Maßnahmen zum Schutz der Tiere und einer gefahrlosen sowie störungsfreien Beobachtung ergriffen werden.“ Frau Bauersfeld denkt dabei an „Kranich-Ranger“ zur Besucherlenkung. Astrid Koschorreck, Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbandes Südharz/Kyffhäuser, mit Sitz in Sundhausen, bestätigt, dass man damit auf der Nordhäuser Seite des Vogelschutzgebietes gute Erfahrungen gemacht habe. In diesem Herbst wurden zeitweise drei „Kranich-Ranger“ eingesetzt.

Der Nordhäuser Ornithologe Peter Höhns gehört zu den Kranichzählern. Mit Hilfe von Spektiven ist es möglich, aus großer Entfernung Alt- und Jungtiere voneinander zu unterscheiden und die Farbcodierungen abzulesen. (BILD: STEFFI ROHLAND)

Zwei Männer und eine Frau kontrollierten regelmäßig die Ablenkfutterflächen und hielten die Besucher davon fern. Im sachsen-anhaltischen Abschnitt wird es anders gehandhabt. Hier haben Mitarbeiter der Naturparkverwaltung Kyffhäuser und des Biosphärenreservates Karstlandschaft Südharz abwechselnd Führungen angeboten. Sie wurden sehr gut angenommen, sind aber personalmäßig nicht weiter ausbaufähig. Außerhalb dieser Führungszeiten in den späten Nachmittagsstunden gab es auch andere Besucher. Sie wissen nicht, dass die Tiere tagsüber auf Futtersuche gehen und nur abends zu ihren Schlafplätzen in den Stausee zurückkommen. Auch denken viele von ihnen, dass man sich den Tieren bis auf eine kurze Distanz nähern kann. Hier ist nach Angaben der Fachleute künftig viel Aufklärungsarbeit nötig.

„Häufig haben sich Besucher auch nicht an das Betretungsverbot bestimmter Gebiete gehalten“, erklärte Helga Bauersfeld. „Manche ließen sogar ihre Hunde frei laufen.“ Dem soll künftig durch Aufklärungsarbeit der „Kranich-Ranger“ Abhilfe geschaffen werden. „Wir werden, entsprechend unserer Möglichkeiten, unsere Mithilfe anbieten“, erklärte Christiane Funkel, kommissarische Leiterin der Biosphärenreservatsverwaltung. „Es ist schon wichtig, dass die Besucher mehr über das Vogelschutzgebiet und die Kranichzüge erfahren.“ Harald Bock, Fachgebietsleiter im Biosphärenreservat, regte auch größere Schilder mit Verhaltensregeln an. „Die muss jeder sehen“, sagte er. „Sonst hat es kaum Zweck. Auch sollte darauf hingewiesen werden, wo sich die Tiere tagsüber aufhalten. Hier muss man sich vor Ort dem wachsenden Ansturm anpassen, sonst brauchen wir keine Besucherlenkung.“ (mz)

Quelle: www.mz-web.de

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