Am 19.02.13 schrieb Silvana Dirnberger an pro.biores.suedharz@gmail.com

Dem Ziel so nah und doch so fern

Mit der Zustimmung des Umweltministers für die Erweiterung der Flächen für die holzverarbeitende Industrie wird der Gemeinde Südharz erst mal der Wind aus den Segeln genommen, vehement sich gegen die Anerkennung des Biosphärenreservats als UNESCO- Weltnaturerbe zu wehren. Und schon gehen die privaten Waldbesitzer zum Angriff über. Diese viele Dynamik wäre auch schön, wenn es um ein gemeinsames harmonisches Miteinander im Südharz gehen soll.

Private Waldbesitzer, wie „Von“ und „Zu“ müssen um ihre Existenz bangen, laut ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem Biosphärenreservat. Warum eigentlich? Das Monopol der privaten Waldbesitzer im Südharz lässt jegliche Konkurrenz aus benachbarten Wäldern nur schwer auf das heimische Schlachtfeld – Holzverarbeitung. Wer sind sie eigentlich? Diese „Neusüdharzer“ führen ein Schattendasein, abhängig vom Rockzipfel der holzverarbeitenden Industrie und propagieren in der Politik lauthals ihre Interessen. Der kleine Harz hat auch nur begrenzte Vorräte an Holz. Schon jetzt wird zunehmend das Holz aus Osteuropa angekarrt.  Auch ein privater Waldbesitzer im Zeitalter der „Nachhaltigen Waldbewirtschaftung“ sollte sich bewusst sein, dass das gnadenlose Ausschlachten unserer heimischen Wälder auch seine lukrative Einnahmequelle auf Dauer schrumpfen lässt. Als Neuankömmlinge können sie wohl kaum mit der Historie des Südharzes verwurzelt sein, um dem allgemeinen Wohl dienen zu können. Dabei müsste ihnen der Sachverhalt geläufig sein, dass sich die Flächen der Kernzone (lediglich 3 % = 900 ha) in Landeswald befinden. Es gibt nur eine Ausnahme bei Wickerode: hierbei handelt es sich um ein seit den 1960er Jahren im Naturschutzgebiet „Questenberg“ ausgewiesenes Totalreservat von 11 ha, der sogenannte „Uhu-Felsen“.

Was sind denn 2,2 Mio Euro (Die Richtigkeit dieser Zahl wird angezweifelt!) für den Verkauf von totem Holz, die in Zeiten der Auswirkungen der Finanzkrise so schnell verpuffen. Dem Umweltminister noch ein schlechtes Gewissen einreden wollen. Ist die Bevölkerung im Südharz und sein ungenutztes Potential nicht viel mehr wert? Der Südharz könnte doch nachhaltiger wirtschaften, wenn zahlreiche Besucher sich an den lebenden Geschöpfen in der Natur erfreuen. Auf Dauer würden sie, durch ihr Verweilen, einer breiten Bevölkerung in der Region und darüber hinaus eine lukrative Einnahmequelle bieten. Neueste Auswertungen zur Entwicklung des Tourismus im LSA sagen aus, dass unser Bundesland als Urlaubsziel immer beliebter wird, und noch genügend ungenutztes Potential brach liegt. Fördermittel sind abrufbar. Der Harz ist insgesamt in seiner Vermarktung nach Außen durch zahlreiche Internetportale sehr gut aufgestellt. Nun wäre es an der Zeit das innere Netzwerk in der Region Südharz zu knüpfen. Wo ist ein Gesamtkonzept um ungenutzte touristische Potentiale im Südharz zum Leben zu erwecken? Eine Potentialanalyse für Holz gibt es schon. Wo ist die Potentialanalyse für die Entwicklung des Tourismus? Schließlich ist der überwiegende Teil der Gemeinde Südharz als Vorbehaltsgebiet für Tourismus und Erholung ausgewiesen.

Nur die Heimkehle bekommt vielleicht Fördermittel für ihre touristische Weiterentwicklung. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Schade, es hätte die ganze Region verdient. Stattdessen gibt es wieder einmal einen Freibrief dafür, wertvolle Natur- und Kulturlandschaft zu vernichten. Konkret ausgedrückt, bedeutet das, Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet zu nehmen. Man ist sich bewusst, dass mögliche umweltschädigende Auswirkungen das vorhandene Trinkwasserschutzgebiet zwischen Uftrungen und Rottleberode beeinträchtigen können. Na schön, wozu werden dann noch fachplanerische Umweltgutachten gebraucht, wenn hier aus dem Bauchgefühl heraus entschieden wurde. Nach dem Motto: „Wird schon klappen, wenn nicht sind wir wieder ein Stückchen schlauer geworden.“

Da stellt sich nur die Frage: „Wo bleibt da die Nachhaltigkeit“

Silvana Dirnberger

Auch als Leserbrief in der Mitteldeutschen Zeitung am 19.02.2013 veröffentlicht.

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