05.02.2013 – Mitteldeutsche Zeitung

Karstlandschaft Südharz

Druck aus dem Internet für Unesco-Antrag

Von Frank Schedwill und Helga Koch, 05.02.13, 18:45h, aktualisiert 05.02.13, 20:45h
Internetseite

Blick auf die Internetseite des Aktionsbündnisses pro Biosphärenreservat. (REPRO: MZ)
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SANGERHAUSEN/MZ. Im Streit um den Antrag auf Anerkennung des Biosphärenreservats Karstlandschaft Südharz durch die Unesco gehen die Befürworter in die Offensive. Fünf junge Leute im Alter zwischen 20 und 33 Jahren haben ein Aktionsbündnis gegründet und im Internet einen so genannten Blog geschaltet, mit dem sie Druck auf die lokale Politik ausüben wollen.

„Wir haben seit 2009 ein Biosphärenreservat nach Landesrecht im Südharz. Nun können wir per Antrag, der fix und fertig vorliegt, die Anerkennung durch die Unesco erreichen und eines von derzeit weltweit 610 Biosphärenreservaten werden“, heißt es auf der Blog-Seite. Dafür sammeln die Initiatoren auf der Internetseite nun Unterstützer-Unterschriften, die an das Umweltministerium gesandt werden sollen.

„Eine Region mit mündigen Bürgern braucht nicht nur eine wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch das Biosphärenreservat“, sagt Marcus Fritze aus Roßla, einer der Initiatoren. Das Reservat würde der strukturschwachen Region gut tun. Ebenso dem Tourismus, der noch in den Kinderschuhen stecke. „Wir wollen so ein klares Signal senden und zeigen, dass die Region hinter dem Unesco-Antrag steht“, betont Fritze.
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Bedingung ist ein Gemeinderatsbeschluss
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Der Vorstoß richtet sich damit vor allem gegen die Gemeinde Südharz: Denn bevor ein Antrag auf Anerkennung auf den Weg gebracht werden kann, ist bis Ende Februar ein Gemeinderatsbeschluss notwendig. Der Antrag muss von allen kommunalen Vertretern der Gemeinden und Städte im Gebiet des Biosphärenreservats unterzeichnet werden. Während Sangerhausen, Allstedt, Berga und Wallhausen zugestimmt haben, steht die Entscheidung in Südharz weiter aus.
Ursprünglich sollte der dortige Rat Ende Januar eine Vereinbarung mit dem Land und damit die Zustimmung zum Unesco-Antrag beschließen. Doch dazu kam es nicht. Die Vereinbarung ist in Detailfragen noch nicht abgestimmt, hieß es aus dem Magdeburger Umweltministerium. Und die Gemeinde macht ihre Zustimmung zum Unesco-Antrag von dieser Vereinbarung abhängig. Anfang Januar hatte es im Beisein von Umweltminister Hermann Onko Aeikens, Wirtschaftsministerin Birgitta Wolff und Südharz-Bürgermeister Ralf Rettig (alle CDU) ein Gespräch in Magdeburg gegeben. Wie Aeikens betonte, seien dabei die Eckpunkte der Vereinbarung abgestimmt und ein vernünftiger Konsens gefunden worden – und darin sei man sich auch mit dem Bürgermeister einig gewesen. Zugleich sagt Aeikens unmissverständlich, dass der Antrag ohne die Unterschrift des Vertreters der Gemeinde Südharz nicht an das zuständige Komitee geschickt werde.
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Bürgermeister fordert wirtschaftliche Entwicklung..
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Rettig fordert seit Jahren, die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Region müsse gesichert werden, insbesondere am Standort Rottleberode – und will das in besagter Vereinbarung festschreiben lassen. Aeikens hatte zuletzt aber kritisiert, dass sich die Position des Bürgermeisters nach wie vor darauf beschränke, dass wirtschaftliche Beeinträchtigungen „befürchtet“ würden. Derartige Nachteile sieht der Minister jedoch nicht: „Gerade im Grundgedanken eines Biosphärenreservates – das Miteinander von Wirtschaft und besonderer Naturlandschaft – steckt die Absicht, Nachteile für eine Seite zu verhindern.“

Fritze ist da mit dem Minister einer Meinung: „Ich kann nicht verstehen, wie der Bürgermeister behaupten kann, das Biosphärenreservat würde wirtschaftliche Einschränkungen nach sich ziehen. Sinn ist ja das Gegenteil. Nachhaltige Wirtschaftsweisen sollen gefördert werden.“ Bis Dienstagabend hat die Internet-Petition bereits fast 600 Unterstützer gefunden.

 

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