28.09.2012 – Mitteldeutsche Zeitung

Biosphärenreservat

Beschluss über Antrag an die Unesco verschoben

VON HELGA KOCH, 28.09.12, 17:59h, aktualisiert 28.09.12, 18:54h

Ralf Rettig

«Das Land geht nicht mit» so Ralf Rettig, Bürgermeister in Südharz.(ARCHIVFOTO: SCHUMANN)

ROSSLA/MZ. Die Skeptiker sollten recht behalten: Der Beschluss der Gemeinde Südharz zum Antrag an die Unesco, das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz als Weltnaturerbe anzuerkennen, ist verschoben worden. Südharz-Bürgermeister Ralf Rettig (CDU) hatte im Vorfeld der Ratssitzung vom Mittwochabend auch keine Unterlagen zu diesem Thema versenden lassen.

Das Land Sachsen-Anhalt hatte bereits im Frühjahr 2009 das reichlich 30 Hektar große Gebiet im Südharz als Biosphärenreservat ausgewiesen. Zugleich stellte die Landesregierung das Ziel, bei der Unesco die Anerkennung als Weltnaturerbe zu beantragen – spätestens bis Dezember 2012.

Während sowohl die Stadt Sangerhausen als auch die Stadt Allstedt und die Verbandsgemeinde Goldene Aue zustimmen, hat sich die Gemeinde Südharz bislang die Entscheidung offen gehalten. Schließlich hatten sich auch mehrere Ortsteile seinerzeit gegen das Reservat ausgesprochen.

Bürgermeister Rettig begründete seine zögerlich-ablehnende Haltung damit, dass die künftige wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde nicht gefährdet werden dürfe. Da am Standort Rottleberode das Industriegebiet erweitert werden soll, müsste nach seiner Ansicht eine Teilfläche aus dem Reservat herausgelöst werden – die Mindestfläche von 30 Hektar würde trotzdem noch erreicht. Wie das im Detail möglich wäre, dazu hat Rettig mit dem Umweltminister des Landes und der Staatssekretärin verhandelt. Eine Vereinbarung wurde erarbeitet, Ergänzungen flossen ein. Das reiche ihm bisher aber noch nicht, so Rettig: „Die gewünschten Änderungen sind nicht belastbar.“ Der Bürgermeister fordert, die Vereinbarung müsse die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde Südharz – also des Ortsteils Rottleberode – „garantieren“. Und es müssten die Interessen der Industrie- und Handelskammer, des Kreisbauernverbandes und der Privatwaldbesitzer beachtet werden. Dazu verlange er ein Mitspracherecht im Beirat des Reservats, zumal die Gemeinde Südharz über den größten Flächenanteil verfügt.

Doch so sehr wollen sich die Politiker in Magdeburg wohl nicht unter Druck setzen lassen. Rettig: „Das Land geht nicht mit. Wir müssen die Vereinbarung nachbessern.“ Womit er also nun das Land in der Pflicht sieht. Und solange die Vereinbarung nicht beschlossen sei, gebe es auch keinen Beschluss der Gemeinde über den Antrag an die Unesco.

Quelle: www.mz-web.de

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