16.01.2012 – Mitteldeutsche Zeitung

Mansfeld-Südharz

Naturreservat im Südharz rückt zusehends ins Blickfeld

VON HEINZ NOACK, 16.01.12, 18:39h, aktualisiert 16.01.12, 19:02h

Der Rahmenplan für Antrag des prestigeträchtigen, aber jahrelang umstrittenen Biosphärenreservates Gipskarstlandschaft Südharz steht jetzt. (FOTO: ARCHIV)

ROSSLA/MZ. Das Biosphärenreservat Gipskarstlandschaft Südharz kann künftig auf Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ hoffen. Das Reservat ist vom Bundesamt für Naturschutz als einer von 30 deutschlandweiten „Hotspots“ ausgewählt worden. Das sind Regionen, die aufgrund ihrer Naturausstattung eine außerordentliche Bedeutung für den Erhalt der Artenvielfalt haben.

Zu den bevorzugten Projekten gehört neben dem Kyffhäuser und der Hainleite jetzt erstmals der Südharzer Zechsteingürtel mit dem Biosphärenreservat „Karstlandschaft Südharz“. Die finanzielle Unterstützung zielt darauf ab, den Rückgang der biologischen Artenvielfalt in Deutschland zu stoppen und mittel- bis langfristig in eine positive Richtung umzukehren, heißt es. Laut EU-Kommission sind in Europa unter anderem ein Viertel der Amphibien und 13 Prozent der Vögel vom Aussterben bedroht. Die Maßnahmen müssen laut Förderprogramm der Bundesregierung dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung sowie der Entwicklung der biologischen Vielfalt dienen. „Die Südharzregion ist aus Bundessicht wichtig für den Artenschutz“, erklärt Holger Piegert, Leiter des Biosphärenreservates. „Das steigert den Wert dieser Landschaft in ihrer Bedeutung für Deutschland und im weltweiten Netz der rund 500 durch die Unesco bestätigten Biosphärenreservate. Darauf können wir stolz sein.“

Die besondere Wertigkeit des Südharzes für die „Biologische Vielfalt“ lieg in seinen ausgedehnten Laubmischwäldern, insbesondere den Buchenwäldern, mit den Altholzbeständen in den forstwirtschaftlich kaum genutzten Schluchten und an steilen Hängen. „Hier sind für die Artenvielfalt wichtige Waldbestände erhalten geblieben“, sagt die stellvertretende Reservats-Leiterin Christiane Funkel. „Dazu kommen die Feuchtraumbiotope an den zahlreichen naturnahen Fließgewässern und wassergefüllten Karsterscheinungen“, sagte Funkel. Der Südharz liege in einer Übergangszone vom subatlantischen zum subkontinentalen mitteldeutschen Binnenklima. Dadurch habe sich eine vielfältige und spezialisierte Flora und Fauna herausgebildet. Die sei durch eine Jahrhunderte währende Nutzungsweise unterstützt worden, die eine Vielzahl an offenen Landlebensräumen geschaffen habe. Das zeige sich in der Tierwelt, zum Beispiel in den zahlreichen Fledermaus-, Amphibien- und Schmetterlingsarten. Ebenso bedeutungsvoll seien die vorkommenden Pflanzen, wie Orchideen, aber auch Flechten- und Moosarten. Dabei spielten vor allem die geologischen Besonderheiten der Karstlandschaft mit ihren Gipsfelsen und Bergbaurelikten eine wichtige Rolle.

Um die Tier- und Pflanzenarten der Heimat, ihre Verbreitung und Lebensweise kennenzulernen, will die Verwaltung des Biosphärenreservats auch weiterhin Bildungsangebote unterbreiten. So wird es laut Veranstaltungsprogramm in diesem Jahr wieder botanische Fachexkursionen mit Armin Hoch und Vogelstimmenwanderungen mit Harald Bock geben. Auf dem Plan stehen ebenso wieder im September ein Haselmauscamp in der Alten Dorfschule in Hainrode, mehrere Fledermauscamps sowie Fachtagungen in der Verwaltung in Roßla. „Es ist wichtig, die heranwachsende Generation auf die ökologischen Veränderungen aufmerksam zu machen“, sagte Holger Piegert. „Sie soll verstehen, warum wir Menschen Rücksicht auf unsere Lebensgrundlagen, die Natur mit ihren Bewohnern sowie die Ressourcen nehmen müssen. Und warum Schutzgebiete eingerichtet werden.“ Ein Weg dahin sei zum Beispiel die Ausbildung der Junior Ranger im Reservat.

Quelle: www.mz-web.de

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